125 Jahre Kinderfest


Glanzvoller Jubiläumsabend „125 Jahre Kinderfest“

Bereits am Freitagabend vor Pfingsten konnte im Jahr 2009 das traditionelle Neckartailfinger Kinderfest aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums eröffnet werden. Im Jahre 1884 hatten einige Familienväter die Idee, ein Fest für die Kinder auf der schönen Neckarallee zu organisieren.

Dass das Kinderfest einen großen Stellenwert genießt, haben die Neckartailfinger über die diesjährigen Pfingstfeiertage reichlich zum Ausdruck gebracht. Beim Auftaktabend der Feierlichkeiten war das von den Landfrauen mit weißen Tischdecken und viel Maiengrün festlich geschmückte Festzelt bis auf den letzten Platz besetzt. Mit einem schwungvollen Einmarsch des Spielmannszuges zusammen mit dem Jugendspielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr unter Leitung von Hans-Peter Hecke und Jörg Wurmbauer wurde der Abend eröffnet.

Bürgermeister Jens Timm, der zusammen mit dem Chef der Kaiser-Brauerei, Hans-Friedrich Kumpf anschließend den Fassanstich vornahm, freute sich bei seiner Begrüßungs- und Dankesrede über diesen Zuspruch. Er lobte das Engagement der Neckartailfinger Bürger und Vereine und freute sich, dass man aus Anlass des 125-jährigen Kinderfestjubiläums einen Dorfabend, der von den eigenen Vereinen gestaltet wurde, veranstalten könne. Besonders das Engagement über die diesjährigen 4-Festtage aller Vereinsmitglieder hob er hervor. Aber auch die Mitarbeiter der Verwaltung und des Bauhofes stehen hinter dem Kinderfest.

Als ein Glücksfall stellte sich die Verpflichtung des Moderators, Wulf Wager, heraus, der es verstand, das über zweistündige Programm stilvoll, witzig und informativ zu begleiten und die einzelnen Programmpunkte mit fundiertem Sachverstand und geschichtlichen Hintergründen zu präsentieren. Der Spielmannszug und der Musikverein unter Leitung von Werner Zirbs haben darin schon Übung und sie erhielten für den gemeinsam musizierten „Marburger Fanfarenmarsch“ großen Beifall.

Der Abend sollte auch die Kinderfest-Traditionen vergangener Jahre wiedergeben. So war es für die Gäste eine Selbstverständlichkeit, dass man in Begleitung vom Musikverein und den Chören des Sängerbunds unter Leitung von Joachim Schmid sich von den Plätzen erhob und das alte Maienlied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ anstimmte. Dieses Lied wurde in früheren Jahren immer vor Beginn des Festzugumzugs am Rathaus gemeinsam gesungen.

Der Männerchor des Sängerbunds unter Leitung von Joachim Schmid präsentierte sich mit den Chören „Mensch ärgere dich nicht“ von Robert Pappert und dem „Spätzleslied“ aus gleicher Feder. Emil Neuscheler hatte für den großen Anlass ein Gedicht verfasst, dass vom Moderator Wager vorgetragen wurde und die Geschichte des Kinderfestes in Reimen treffend widergab. Nochmals zeigte der Sängerbund mit dem Kinderchor „Keltergeister“ und dem Chor Vision sein Können. Am Klavier begleitete der Dirigent Joachim Schmid und Gerd Clauss, der neue Leiter des Jugendchors und von „Men at Voice.“

Moderne Akzente brachte die Kinder- und Jugendtanzgruppe des TSV auf die Bühne. „You can dance“, eine Tanz-Revue zum Lied „Just dance“ war angesagt. Die Leiterinnen Nicola Blumstein, Alessa Mutschler und Nadine Trester erhielten für diese Inszenierung großen Beifall. Nun war der geschichtliche Teil des Abends angesagt, unterbrochen von der TSV-Aerobicgruppe „The Leo-dancers“ unter Leitung von Doris Bauknecht. Die Damen hatten sich effektvolle „Tigerkostüme“ angelegt und zeigten, dass sie sehr gut in Form sind.

Zwei Sketche die die Entstehung des Kinderfestes und die legendäre Spendengabe darstellten wurden aufgeführt. Zunächst wurde der „Gründerstammtisch“ im „Löwen“ anno 1884 lebendig. Überzeugend haben die Darsteller: Wolfgang Kehrer, Jörn Maas, Volker Lutz und Markus Schneider diese Szene gespielt.

Der kinderlose Bäckermeister Karl Holzapfel sorgte mit seiner 1000 Mark-Spende dafür, das ab 1907 das Kinderfest nach 16-jähriger Unterbrechung wieder gefeiert werden konnte. Rolf Wenhardt, dessen Aussehen mit dem Spender fast identisch ist, hat in einer Spielszene diese Zeit nochmals lebendig werden lassen. Die SAV-Kinder der Danzbära-Gruppe: Kim Fischer, Jenny Piskors, Nina Lorch, Jan-Eric Maas und Dorothea Wörz spielten die Kinder der damaligen Zeit mit Begeisterung. Die Leitung und Ausarbeitung dieser Stücke und auch die Proben hatte Helga Wenhardt professionell durchgeführt.

Eine weitere große Spende für das Kinderfest gab die in Neckartailfingen geborene Ruth Merkle, geb. Decker. Sie hatte testamentarisch verfügt, dass 50.000 DM ihres Vermögens für das Neckartailfingen Kinderfest gegeben werden. Dieses Geld ging im Jahr 1999 bei der Gemeinde ein und wurde zweckgebunden für die Ausgaben des jährlichen Kinderfestes verwendet. Ein Gedenkstein auf dem Kinderspielplatz auf der Neckargass erinnert an die großzügige Spenderin.

Das Programm hatte „Revue-Charakter“, fast wie im Fernsehen klappten die Auftritte nahtlos – und das mit nur einer Generalprobe! Der Musikverein unter Leitung von Werner Zirbs bracht moderne Rhythmen zu Gehör mit Stücken wie Bryan Adams, The Best of Me und Somethin’Stupid“ konnte das Orchester überzeugen.

Natürlich darf bei so einem festlichen Anlass der Bändertanz nicht fehlen! Die Volkstanzgruppe des Schw. Albvereins unter Leitung von Rolf Rieker tanzte in großer Besetzung und wurde für den schönen Auftritt gebührend gefeiert. Der SAV zeigte auch, dass er die junge Menschen mit modernen Tänzen begeistern kann. Madlen Rieker mit der Jugendtanzgruppe zeigte mit „Whine up“, dass man beim Albverein nicht stehen bleibt!

Zweifellos sorgte der Sängerbund mit seinen Gruppen „Young Generation und Men at Voice“ unter Leitung von Gerd Clauss mit seiner „Musikalische Revue“ und den Songs von „Mama Mia „ und „Ramona“ für einen tollen Schlusspunkt. Auch die Uraufführung von „We’re living in Europe“, die vom Dirigenten und von Mitgliedern des Jugendchors kreiert wurde, gefiel dem begeisterten Publikum besonders.

Der absolute Höhepunkt und auch eine „Welturaufführung in Neckartailfingen“ war das Finale mit dem Fliegermarsch von Hermann Dostal. Sängerbund und Musikverein an diesem Abend zum ersten Mal musikalisch vereint, glänzten mit einem großartigen Schlussteil. Alle Mitwirkenden des Abends trafen sich auf, vor und neben der großen Bühne. Hunderte Luftballone in den Gemeindefarben rot und gelb stiegen auf und verliehen diesem Abend einen unvergesslichen Schlussakkord.

Die Neckartailfinger erlebten einen wunderschönen Jubiläumsabend: „125 Jahre Kinderfest in Neckartailfingen“. Diese Geschichte kann fortgeschrieben werden …

Text: Traute Hörner