200 Jahre Post in Neckartailfingen


200 Jahre Fakten, Anekdoten und Verbrechen rund um die Post

Postkutscher

Vorstellung und Ausstellung im Rathaus Neckartailfingen: Die ersten hundert Exemplare von Adolf Kupplers Werk sind schon weg

Wenn man Geschichte näher betrachtet, entdeckt man oft spannende Episoden: So ist das mit Sicherheit auch bei dem Projekt zum 200-jährigen Jubiläum der Post in Neckartailfingen, das nun eine Ausstellung und ein Buch hervorgebracht hat. Adolf Kuppler und sein Bruder Gerhard haben in jahrelanger Kleinarbeit und mit Unterstützung aus der Gemeinde nicht nur interessante Fakten rund um das Postwesen zusammengetragen, sondern auch die zugehörigen Geschichten, Tragödien und Anekdoten rund um Persönlichkeiten, Politik, Macht, Geld und Verbrechen. Schon bei der Buchvorstellung am vergangenen Mittwoch fand das Druckwerk entsprechend reißenden Absatz.

Die Luft knisterte förmlich im völlig überfüllten Ratssaal des Neckartailfinger Rathauses an diesem Mittwoch Abend – nicht etwa, weil angesichts tropischer Temperaturen um und im Rathaus ein Gewitter in der Luft über dem Neckarort gehangen wäre, sondern weil die rund 150 Gäste gespannt warteten auf das, was die Brüder Adolf und Gerhard Kuppler in rund zweijähriger Kleinarbeit zusammengetragen haben. 200 Jahre Post in Neckartailfingen, das markiert durchaus mehr als nur das Vorhandensein eines Dienstleistungszweigs in der Gemeinde: Mit der Etablierung der ersten Poststation im Jahr 1807 und dem damit verbundenen Personen-, Güter- und Geldverkehr blühte der Ort in kaum für möglich gehaltener Weise auf. Grund genug also, diesen wichtigen historischen Abschnitt in der Ortsgeschichte zu dokumentieren, wie die Kupplers fanden – und nicht nur diese beiden: Mit tatkräftiger Unterstützung von zahlreichen Neckartailfingern, Gemeinderätin Traute Hörner und der Quasi-Schirmherrschaft von Bürgermeister Jens Timm entstand ein Doppelwerk aus Buch und Ausstellung, das neues Licht ins teilweise Dunkel der Gemeindehistorie bringt.

Kein Wunder also, dass der Andrang zur Ausstellungseröffnung und der Buchvorstellung die Kapazitäten des Ratssaals deutlich sprengte. Aufs Thema musikalisch eingestimmt wurde zunächst vom Männerchor des Sängerbunds, der unter anderem die Schönheit des Neckartals besang. Der Romantik im Heimatlied ließ Bürgermeister Timm in seiner Begrüßungsansprache dann die ersten Fakten folgen: Vom Flair des Postwesens der frühen Tage sei heute nur noch wenig übrig geblieben, das würde einem bei der Lektüre des druckfrisch vorliegenden Buchs bewusst. „Aber Stillstand wäre auch Rückschritt, die Post musste sich wandeln, um den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht zu werden“, so Timm, der damit auf die zeitweise rasante Entwicklung anspielte, die im Anschluss von Autor Adolf Kuppler vorgestellt werden sollte.

Nach einem weiteren thematisch wie musikalisch stimmigen Vortrag von Anja Michel, die auf dem Waldhorn den „Postillon von Lonjumeau“ spielte, nahm schließlich Adolf Kuppler den Platz am Mikrofon ein und entführte die Zuhörer zu einer erstaunlich spannenden und unterhaltsamen Reise durch die Postgeschichte, die er auch mit jenen Anekdoten und Details zu würzen wusste, die das Flair eines gelungenen Vortrags ausmachen. Ob dies nun die kleinen und großen Gaunereien waren, die in dieser Zeitspanne vom einen oder anderen Posthalter begangen worden waren, ob es um persönliche Tragödien ging, die sich immer wieder um die Posthalterfamilien rankten, oder ob Adolf Kuppler mit historischen Bildern der alten Postgebäude im Ort für „Ahs“ und „Ohs“ sorgte: Der Vortrag ließ deutlich erahnen, welche Qualitäten in dem 128-seitigen Buch stecken würden. Auch persönliche Erinnerungen der insgesamt acht Geschwister Kuppler sind in das Werk eingeflossen, war doch ihr Vater der vorletzte Posthalter in Neckartailfingen und spannte den Nachwuchs auf vielfältige Weise in den Betrieb mit ein.

Entsprechend groß war dann auch der Andrang auf die druckfrisch an diesem Abend ausgelieferten Bücher, nachdem das Saxophon-Ensemble der Musikschule unter Leitung von Gunnar Merkert für den musikalischen Schlusspunkt gesorgt und Bürgermeister Timm den Beteiligten an den Projekten Buch und Ausstellung unter großem Applaus den Dank der Gemeinde ausgesprochen hatten. So nannte Timm etwa Gemeinderätin Traute Hörner, die als Organisatorin nicht nur interessante Stücke wie eine Posthalteruniform zur Ausstellung im Rathausfoyer organisiert hatte, sondern auch bei der Beschaffung von Informationen und Dokumenten half. Dank sagte er auch Verleger Gerd Rieker, der für die gelungene grafische und technische Umsetzung der ersten Auflage des Buchs mit 1000 Exemplaren gesorgt hatte, von denen die Gemeinde schon vorab 500 Stück angekauft hatte. „Dank dieser Zusage war das Projekt finanziell natürlich deutlich leichter umzusetzen“, wie Rieker betonte.

Dass sich die rund zweijährige Vorarbeit mehr als nur gelohnt hat, bestätigte dann nicht nur der reißende Absatz der Bücher, von denen innerhalb einer Stunde gut hundert Exemplare verkauft waren, sondern auch die Schlange, die sich schnell vor Autor Adolf Kuppler und Bruder Gerhard gebildet hatte: Kaum einer wollte sich die Chance entgehen lassen, sich das Buch mit einer Signatur der Brüder versehen zu lassen. Und auch die Ausstellungsstücke im Rathausfoyer fanden reges Interesse: Zeigt die Schau mit 120 Originaldokumenten und zahlreichen Details aus dem früheren Postalltag doch zahlreiche Stücke, die sich als Abbildungen auch im Buch wieder finden. Darunter befinden sich auch etliche alte Ansichtskarten, die neben ihrem philatelistischen Wert auch so manche Erinnerung an das alte Neckartailfingen wieder aufleben lassen.

     

Ein Besuch dieser Schau lohnt sich also auf alle Fälle: Die Ausstellung ist noch bis 8. Juni zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen. Über das Pfingstwochenende sowie am 7. Juni (Fronleichnam) ist die Schau jeweils von 11 bis 17 Uhr ebenfalls zu sehen, dann wird auch Autor Adolf Kuppler anwesend sein und für Fragen, Autogrammwünsche oder einfach ein Schwätzchen über die von ihm und seinem Bruder Gerhard erkundete Historie der Post in Neckartailfingen zur Verfügung stehen. Wer eines der noch verbliebenen rund 900 Exemplare des ebenso informativen wie unterhaltsamen Buchs „200 Jahre Post in Neckartailfingen“ haben möchte, bekommt dies entweder im Rathaus Neckartailfingen, in der Postagentur „Papyrus“ oder bei der Gärtnerei Knöll zum Preis von 9,80 Euro.

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Erfolgreich vor die Postkutsche haben sich diese Neckartailfinger gespannt (von links): Bürgermeister Jens Timm hielt die Hand darüber, Traute Hörner half mit Organisationstalent, Autor Adolf Kuppler und Bruder Gerhard brachten viel Fachwissen und Fleiß ein, und Verleger Gerd Rieker sorgte für die Umsetzung. So entstand das Buch „200 Jahre Post in Neckartailfingen“, das nun gemeinsam mit einer informativen Ausstellung im Rathaus vorgestellt wurde.

Quelle: Nürtinger Zeitung [Autor: Ralf Gravenstein]